Löffelschnitzer

Kuriositäten

Der Nachbau

Der Fundort: Bremen, Langenstrasse, Grabung Hotel Überfluss. Dort wurden die Fragmente eines Holzlöffels aus der Zeit von Ende 11.Jahrhundert bis kurz nach 1100 in einer Schicht aus verlandetem Tümpel unter einem Holzanbau gefunden. Der Löffel weist eine Länge von 13,6 cm auf und ist vermutlich aus dem Holz des Ahorn gefertigt. Dieser nur fragmentarisch vorhandene Löffel mit leicht ovaler Laffe verfügt über einen durchbrochen gearbeiteten Griff, der mit einem Kerbschnittdekor verziert ist.

 

MitarbeiterInnen der Bremer Landesarchäologie fertigten aus diesem Fundstück erste Zeichnungen über die wahrscheinliche Form des Löffels an.

In Holz umgesetzt sieht das jetzt so aus wie abgebildet mit grünem Hintergrund.

 

Das Kerbschnitzdekor war für mich die größere Herausforderung. Da Fehler eher nicht mehr zu korrigieren wären, hatte ich vorher viel geübt.

Zu sehen sein wird dieses „Schmuckstück“ in einem Schaukasten der Fundstücke gegenüber der Rezeption im Hotel Überfluss in der Langenstrasse 72 in Bremen

Tatort - hier kam das Opfer durch einen Kaffeelöffel im Ohr zu Tode

Dieser Diamant hat 86-Karat und die Form einer Birne. Er ist mit 17,2 g Gewicht  recht groß und schwer und in Silber gefasst.  Der Löffelmacher Diamant (Kasikci Elmasi) ist einer der berühmtesten Ausstellungsstücke im Topkapi-Palast. Wie er in die Schatzkammer gelangte, ist jedoch immer noch ein Rätsel. Es gibt einige Geschichten und Theorien über die Herkunft des Diamanten, die im Laufe der Zeit zu einem Teil der türkischen Kultur geworden sind. 

Erstmals davon gelesen hatte ich davon in dem Roman „Zorn des Meeres“ von Yasar Kemal. Dort wird beschrieben, dass am Strand bei einem bestimmten Wind immer wieder historische Gegenstände freigespült und von den Anwohnern eingesammelt und verwertet wurden. Danach soll eine sehr alte und arme Frau dort einen solchen Diamanten gefunden haben, den sie beim Löffelmacher in 12 Holzlöffel tauschte. Sie hatte eine Familie zu ernähren und Löffel erlaubten allen die Aufnahme von Speisen. Das war für sie höherwertiger als ein nur anzuschauender Diamant.

An anderer Stelle wird berichtet, dass ein armer Mann im Jahre 1669 diesen Stein im Abfallhaufen von Egrikapi in Istanbul gefunden hat. Da der Mann mit diesem Stein nichts anzufangen wusste, tauschte er diesen gegen drei Holzlöffel beim Löffelmacher. Der Löffelmacher gab den Stein an einen Juwelier zur Schätzung, der sich über den Wert mit einem weiteren Juwelier gestritten und letztlich ein Dritter den Stein für einen Sack Gold gekauft haben soll. Das soll dem Wesir Köruluzade Ahmet Pascha und dem Sultan Mehmed IV nicht verborgen geblieben sein. Der Sultan nahm den Stein an sich, ließ diesen schleifen und an seinen Turban nähen, als Zeichen der Herrschaft.

Andere behaupten, der Name des Diamanten beruhe einzig auf der Form, die einem Löffel ähnele. Ein fanzösicher Offizier soll diesen Stein in Indien gekauft und nach Frankreich gebracht haben, wo ihn die Mutter von Napoleon regelmäßig getragen haben soll. Um ihren Sohn aus der Verbannung zu befreien, verkaufte sie diesen letztlich an den Sultan Mahmut II.

Himmel und Hölle

Es begab sich zu der Zeit, dass ein Mann darum bat, einmal Himmel und Hölle besuchen zu dürfen.

In der Hölle sah er, dass die Menschen dort vor einem großen runden Tisch voll der köstlichsten Speisen saßen. Das schien für die Hölle doch gar nicht mal so schlecht, befand er. Die Menschen näher betrachtet musste er jedoch feststellen, dass alle trotz der vorhandenen Speisen hungerten. Jeder von ihnen hatte einen zwei Meter langen Löffel in der Hand, mit dem es allerdings unmöglich war, die Speisen in den Mund zu befördern. Es war die Hölle vor einer solchen Ansammlung von leckeren Speisen zu sitzen und keinen einzigen Bissen davon essen zu können.

Nun wollte der Mann auch einmal einen Blick in den Himmel werfen. Auch hier saßen die Menschen vor einem reichhaltigen Speisenangebot und auch hier hatten die Menschen einen zwei Meter langen Löffel in der Hand.  Alle schienen glücklich und zufrieden und sahen gut genährt aus.  Die Menschen hier benutzten den Löffel um sich gegenseitig zu füttern.

Die Seute Deern (plattdeutsch für Süßes Mädchen) lief 1919 auf der Gulfsport Schiffswerft in den USA als Viermastschoner „Elisabeth Bandi“ vom Stapel. Das Schiff wurde aus dem frischen Holz der Sumpfkiefer gebaut. Die Bauweise führte von Anfang an zu erheblichen Problemen: Der Rumpf verzog sich und ein Schiffbohrwumfraß machte das Schiff dauernd undicht. Wiederholte Instandsetzungen brachten nur mäßigen Erfolg. . Das Schiff wurde überwiegend im Holztransport eingesetzt

1939 wurde als Neuerung eine überlebensgroße Gallionsfigiur vorne an der Bark angebracht: Die Seute Deern. Der wiederholte Weiterverkauf und spätere Umbau 1946 zu einem Hotelschiff war ähnlich unrentabel, wie die Nutzung als Jugendherberge und später als Gaststättenschiff.  1972 ging die Bark als Ausstellungschiff in den Besitz des „Das Deutsche Schifffahrtsmuseum“ in Bremerhaven. Auch hier waren andauernde Ausbesserungsarbeiten an der Tagesordnung, verhinderten aber nicht das ständige Eindringen großer Wassermengen-täglich bis zu 150.000 Litern. Infolge eines Feuers und dessen Bekämpfung  sank die Seute Deern 2019.

Diese wiederholten Versuche der Rettung des Schiffs führten zu erheblichem Einsatz auch chemischer Mittel zur Bekämpfung des Schiffbohrwurms und anderer Zerfallserscheinungen, sodass letztlich das Holz des Wracks so vergiftet zu sein scheint, dass eine anderweitige Nutzung nicht mehr in Frage kam. Daraus geschnitzte Löffel sind nicht für den Verzehr von Speisen geeignet. In einem mir vom Schifffahrtsmuseum zur Verfügung gestellten kleinem Stück Holz konnte ich vier Löffel entdecken, zwei waren noch gut erhalten, zwei nur noch fragmentarisch.

Der Holzlöffel wurde an der Universität Cambridge von den Studenten an die Person verliehen, welche die schlechtesten Prüfungsnoten in Mathematik erreichte, trotzdem aber einen Abschluss der dritten Klasse erlangte. Der Begriff „Holzlöffel“ oder einfach „der Löffel“ wurde auch der Empfänger genannt.

Die mit dem Abschluss zweiter Klasse (Senior Optime) oder einen Abschluss erster Klasse (Wrangler) am schlechtesten platzierten Studenten wurden manchmal als „Silberlöffel“ bzw. „Goldener Löffel“ bezeichnet.

Die Holzlöffel erreichten durchaus die Länge von bis zu 2 Metern. Man ließ diesen Löffel vom Balkon im Obergeschoss vor dem Empfänger herab, in dem Moment als dieser vor dem Vizekanzler erschien, um seinen Abschluss entgegenzunehmen. Der Brauch reicht mindestens bis ins späte 18. Jahrhundert zurück und wurde 1803 urkundlich erwähnt. Diese Praxis wurde zwar 1875 verboten, wurde aber praktisch bis 1909 fortgesetzt. Der letzte Holzlöffel wurde 1909 einem Ruderer des Lady Margaret Boat Club des St. John’s College in Cambridge verliehen. Der Griff hatte die Form eines Ruders.

Der letzte verliehene Löffel befindet sich jetzt im Besitz des St. John’s College und wird in der Selwyn College Library aufbewahrt.

 

Foto: Ralf Michel

(21.05.2023)

Der „Alte Fritz“ und der fehlende Löffel

Der „Alte Fritz“ ärgerte gerne den Reitergeneral Ziethen bei den unterschiedlichsten Begebenheitenten. Ziethen war nicht auf den Mund gefallen und hatte wenig Respekt vor den Majestäten. Aus einer dieser Begegnungen wird berichtet, dass der General beim König zum Essen eingeladen war. Der König verfügte, dass für Ziethen kein Löffel zur Suppe eingedeckt wurde. Als dann die Suppe kam, soll er zu Ziethen gesagt haben: „Nun lange er zu, aber ein Hundsfott ist, wer heute nicht seine Suppe aufisst.“

Aber Ziethen ließ sich nicht provozieren und schnitzte sich aus einer Brotkante einen Löffel, mit dem er die Suppe aß. Nachdem er seine Suppe aufgegessen hatte, soll er fröhlich lächelnd geäußert haben, mit der Suppe sei er fertig: „Aber ein Hundsfott ist, wer nicht auch seinen Löffel aufisst!“ und verspeiste gelassen seinen Löffel.

Auch in der Bibel begegnet uns der Löffel

In der Zeit, in der Augustinus das Buch über die Dreifaltigkeit vorbereitete und an einem Strand entlangging, da erblickte er einen Knaben, der am Strand ein kleines Loch in den Sand gegraben hatte und mit einem Löffel wieder und wieder Wasser aus dem Meer holte und es in diese Vertiefung goss. Auf die Frage, was er da mache, antwortete der Knabe, er habe vor, das Meer mit dem Löffel abzuschöpfen und trockenzulegen, indem es das Wasser in dieses Loch gieße. Das Meer sei viel zu groß, gab Augustinus dem Knaben zu verstehen. Dagegen erwiderte dieser, es sei ihm eher möglich, das Meer auszuschöpfen, als das es  Augustinus gelänge, in seinem Buch auch nur den kleinsten Teil der Geheimnisse der Dreifaltigkeit zu erklären. Er verglich das Loch in der Grube mit dem im Entstehen begriffenen Buch, das Meer mit der Dreifaltigkeit und den Löffel mit dem Verstand des Augustinus. Danach entfernte er sich. Augustinus ging nach Hause, betete und begann über die Dreifaltigkeit zu schreiben – so gut er es eben konnte. Es wurden 15 Bände daraus.

Ein Geschenk meines Nachbarn Walter

Die Löffelliste ist eine Liste von Dingen, die Du unbedingt in Deinem Leben gerne noch einmal tun oder erreichen möchtest, bevor Du den Löffel abgibst. Eine ToDo-Liste! Die Idee für eine solche Liste stammt aus dem Film „Das Beste kommt zum Schluss“! Ganz individuelle Wünsche können in diese Liste aufgenommen werden, alles was man noch vor seinem Tod gemacht haben möchte.

Wenn Du eine solche Liste schreiben möchtest, gibt es keine verbindliche Reihenfolge der Wünsche. Das entscheidest Du selbst – es sollte eine Erinnerungsstütze sein. „Alles ist möglich!“ Einmal aufgeschrieben betonst Du aber auch die Wichtigkeit für Dich selbst. Einer Studie der Harvard-University von 1979 nach werden so fixierte Wünsche mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von über 30 Prozent eher realisiert.

Da können familiäre Wünsche aufgenommen werden, besondere Reise oder Berufswünsche. Was macht mich glücklich, wo will ich hin? Wie gesagt, das sind ganz individuelle und persönliche Wünsche – die allerdings nur auf besonderen Wunsch auch Dritten zugänglich gemacht werden dürfen.

Im Netz findest Du schöne Beispiele von Dr. Kerstin Gernig und Denise!

 

Nach Erledigung dürfen diese Wünsche dann auch in einer gesonderten Liste erfasst werden. Das stärkt das Selbstbewusstsein und macht Dir immer wieder deutlich, dass Du es schaffen kannst, was Du Dir vorgenommen hast.

Nachdem sich in meinem Bekanntenkreis herumgesprochen hatte, dass ich meine Löffel gerne aus Hölzern mit Geschichte schnitze, brachte mir Dieter vom Golfclub einen kleinen Block Bongossi (Azobé) in den Abmessungen 7,5 x 10 x 14,5 cm und ca. 2 kg schwer mit. Gefühlt: Schwer wie Eisen! Dabei handelt es sich um ein Stück Stapelholz von der AG Weser, sog. Hublastholz für das Tragen außerordentlich großer Lasten mit sehr geringen Maßtoleranzen. Bongossi ist dank seiner physischen Eigenschaften sehr gut für hohe Punktbelastungen geeignet. Das Holz ist von Natur aus sehr „ölig“, zum Schnitzen eher eine Erleichterung, zum Schleifen eine Qual, weil sich die ölige Substanz sofort im Schleifpapier festsetzt. Diese Eigenschaft war aber hilfreich, wenn das Schiff schließlich „vom Stapel“ lief, zusätzliches Paraffin ließ den Schiffsneubau sanft in die Fluten gleiten. Daraus nun Löffel zu schnitzen war eine große Herausforderung, aber das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand. Zum Dank durfte sich Dieter einen Löffel davon aussuchen.

Die Dienstboten: Bis zum Jahre 1912 war Maria Lichtmess am 02. Februar gesetzlicher Feiertag in Österreich. An diesem Tage endete traditionell die Weihnachtszeit – 40 Tage nach der Geburt Christi.

Daneben erhielten an diesem Tag die Dienstboten und Knechte ihren Jahreslohn und sie durften den Arbeitsplatz wechseln. Wer früher seinen Arbeitsplatz verlassen hatte, verlor den Lohn insgesamt.

Wer an Maria Lichtmess noch keinen neuen Dienstherren hatte, steckte seinen Holzlöffel hinten an seinen Hut. Dies war das Zeichen dafür, dass der Träger noch arbeitssuchend war. Wie Frauen diesen Umstand zur Kenntnis brachten, wird nicht berichtet.

Die Löffelritter: Die Löffelgesellschaft bekannt als Orden vom Löffel wurde um 1525 von 60 Adeligen in der Schweiz gegründet. Ziel war sich von Karl III loszusagen, was allerdings nicht gelang. Schließlich wollte man die Republik Genf politisch unterwandern und „auslöffeln“. Dieses Ziel war Anlass für das Erkennungszeichen eines hölzernen Löffels am Hut. Außerdem trug man ein weißes Hemd über der Rüstung mit dem Bild eines Löffels. Im Ergebnis ließ sich Genf aber nicht „auslöffeln“, auch wenn diese Rittergemeinschaft schließlich über 3.000 Mitglieder verfügte.

Meine Erfahrungen mit der DHL beim Versenden von Päckchen nach Berlin sind die schlechtesten. Immer wieder verschwanden trotz Sendungsverfolgung von mir versandte Päckchen und auch Briefe im Nirwana. Sehr ärgerlich.
Am Montag versuchte ich nun einen Löffel an eine Freundin in Berlin zu versenden. Ein kleines handliches Päckchen mit jeder Menge Verpackungsmaterial und praktisch keinerlei Gewicht. Ein Windstoß hätte dieses vom Band fegen können. Am Donnerstag war es immer noch nicht in Berlin eingetroffen und ich hatte den Löffel schon verloren gegeben und mich innerlich von dem Buchsbaumlöffel Nr. 693 verabschiedet. Das wollte die Freundin nicht glauben und tatsächlich traf dann am Freitag das Päckchen doch noch bei ihr ein. Sie schrieb dazu:                                                  
„Lieber Pessimist,
das Paket ist angekommen. Der Löffel ist so wunderschön!!!!! Vielen Dank, ein echter Handschmeichler, wunderschöne Form, das helle glatte, geschwungene Holz – er ist perfekt. Die richtige Größe und dann noch signiert.Ein echter Wesemann. Ich bin gerührt und freue mich auf den Text., den lese ich abends. 1000 Dank und liebe Grüße -Cathrin“                                           
                                                                                
Foto rechts: Cathrin Bach, Berlin

Ein großer Löffel vor der historischen Hütte des Löffelschnitzers im Freilichtmuseum in Riga, Lettland - Danke Herbert für das Foto!
Foto: Herbert Bannas, Bremen

Löffelensemble im Gassi Museum in Leipzig

Ein Löffel von mir beim Freund im Einsatz

Ein Teil meiner Werkzeuge

Das Verzeichnis aller von mir geschnitzten Löffel

Freunde baten mich von Anfang an zu dokumentieren, wann ich welchen Löffel aus welchem Material und welcher Herkunft sowie der vielleicht dahinter steckenden Geschichte aufzuschreiben. Daraus sind inzwischen 9 Din A4 Bände geworden, auch wenn ich zugeben muss, dass ich zeitweise auch aufgrund meiner beruflichen Belastung das Verzeichnis sehr vernachlässigt hatte. Insgesamt sind dort bis heute (07.07.2023) 809 Löffel dokumentiert.
Auch mir zugetragene Geschichten über Löffel oder deren Gebrauch haben Eingang in das Verzeichnis gefunden. Einige dieser Geschichten findet ihr auch auf dieser homepage.

Der eycatcher aus Pappmaschee, stammt aus dem Wagenfeldmuseum zur Zeit der Löffelausstellung von Herrmann Jünger

Es klappt nicht immer, manchmal muss ich auch aufgeben

In Stein habe ich mich auch mal versucht, ist mein Grabstein geworden.

Löffel international